Konfliktcoaching
Konflikt-Coaching ist für Manager, Führungskräfte, Führungsnachwuchskräfte sowie Projektleiter und Leiter anderer Teams das Mittel der Wahl, wenn Konflikte sich nicht so einfach "in den Griff kriegen" lassen. Es geht im Konfliktcoaching darum, eine persönliche Strategie für einen optimalen Umgang mit der Situation zu finden, um Ruhe, Sicherheit und Entlastung für sich persönlich und die volle Leistungsfähigkeit für das Miteinander zu erreichen.
Das Coaching kann bei Ihnen vor Ort aber auch gerne in unseren Räumlichkeiten stattfinden.
Konflikte in Organisationen sind etwas Alltägliches, ganz Normales, ja Notwendiges und ... sie kosten viel Geld. Der Berufsgenossenschaftliche Arbeitsmedizinische Dienst (BAD) in Bonn schätzt den volkswirtschaftlichen Schaden, der durch Konflikte mit Kollegen entsteht, auf 90 Milliarden Mark jährlich!1 Und dabei ist die finanzielle Seite nur eine Facette des Ganzen.
- Sich mit dem Thema Konflikt und Konfliktbearbeitung / Klärunghilfe zu beschäftigen, macht also durchaus Sinn - wir tun es mit dieser Notiz.
- Das Wort Konflikt stammt vom lateinischen confligere – zusammenstoßen, streiten, kämpfen. Konflikte haben die Menschheit seit alters her begleitet. Sie können auftreten zwischen Personen, Gruppen, Organisationen, Gesellschaften und Staaten, und sie haben unterschiedliche Aus-wirkungen.
- Da an Interessengegensätzen immer mindestens zwei Parteien beteiligt sind, nennt man dies einen „sozialen Konflikt“.
- Nun ist ein Konflikt aber nicht unbedingt etwas Schlechtes. In China setzt sich der Begriff Konflikt beispielsweise aus dem Zeichen für „mögliche positive Veränderung“ und dem Zeichen für „mögliche Gefahr“ und „Konflikt“ zusammen. Dement-sprechend können Phänomene sowohl als fortschrittshemmende Störungen als auch als unabdingbarer „Motor“ und Stimulus sozialen Wandels angesehen werden.
- Das entscheidende scheint nicht zu sein, dass Interessen-gegensätze auftreten, sondern vielmehr die Art der Deutung und des Umgangs damit.
- Ein seit geraumer Zeit vieldiskutierter und immer mehr aner-kannter Ansatz zur Konfliktbearbeitung ist die aus den USA
- stammende “Mediation”.
- Sie setzt auf die Vermittlung durch eine dritte, „nicht verstrickte“ Partei – den Moderator bzw. Mediator. Dieser hat im Gegensatz etwa zu einem Richter nicht die Aufgabe zu ent-scheiden wer recht hat bzw. kriegen soll, sondern zu vermitteln. Er hilft den Betroffenen selbst einen Weg aus der Krise zu finden. Das „klassische“ Anwendungsfeld ist die Scheidungsmediation, bei der eine „Trennung im Guten“ angestrebt wird.
- Wofür kann Mediation im Business-Bereich eingesetzt werden?
- Business-Mediation / Klärungshilfe im Konflikt ist ein Moderationsverfahren, mit dessen Hilfe offene und „schwelende“ Konflikte auf konstruktive Art und Weise bearbeitet werden können. Man spricht in diesem Zusammenhang deshalb auch von „Konflikt-Moderation“ oder auch von "Konflikt-Klärungshilfe".
- Immer wenn „Reibungsverluste“ spürbar werden, wenn bei Meinungsverschiedenheiten und Interessenkonflikten
- Fronten entstanden sind, wenn Führungs- und Zusammenarbeitsprobleme besprochen werden sollen, kann Business-Mediation / Konflikt-Klärungshilfe zur Themenbearbeitung und Problemlösung eingesetzt werden.
- Was kann Business-Mediation / Konflikt-Moderation / Konflikt-Klärungshilfe nicht leisten?
- Eine „Organisations-familie“, wie die Belegschaft einer Abteilung oder die Mitglieder eines Projekt-Teams, ist ein soziales System und ... ein soziales System kann man prinzipiell nicht, wie etwa ein defektes Fahrrad, reparieren.
- Während das bereits erwähnte Fahrrad den immer gleichen physikalischen Gesetzen gehorcht, „funktionieren“ soziale Systeme nach individuellen und sozialen Regeln, sind durch persönliche Vorurteile, Vorlieben und Abneigungen, Ängste und Hoffnungen ... sowie das Zusammenwirken mit der „Systemumwelt“ geprägt. Jedes System ist zu jeder Zeit einmalig.
- Deshalb kann Business-Mediation / Konflikt-Moderation / Konflikt-Klärungshilfe ein Team nicht von außen „reparieren“.
Der Mediator / Moderator kann nur, mit aller gebotenen Professionalität „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu geben. - Welche Voraussetzungen müssen für den Einsatz von Business-Mediation gegeben sein?
- Business-Mediation / Konflikt-Klärungshilfe kann nur dann eingesetzt werden, wenn die Rahmenbedingungen dafür auch geeignet sind; es müssen also einige Mindest-voraussetzungen erfüllt sein. Diese sind:
- 1. Der Konflikt ist erkennbar. Man kann sagen, wer mit wem „Schwierigkeiten hat“
- 2. Die Beteiligten sind bereit das Thema anzugehen. Sie haben die Bereitschaft signalisiert, das Thema „auf die Hörner zu nehmen“.
- 3. Die Beteiligten haben Einfluss auf die Problemlösung. Eine Problemlösung wird nicht „von außen“ oder „von oben“ abgelehnt.
- Woran erkennt man einen Konflikt eigentlich?
- Konflikte lassen sich grob in „kalte“ und „heiße“ Konflikte einteilen – man könnte es mit einem Vulkan vergleichen. Solange er „schlummert“, ist er kalt – wenn er aber „Feuer speit“ ist er heiß. In beiden Fällen handelt es sich um einen Vulkan.
- Der Vulkanausbruch ist leicht zu erkennen; dass ein „schlummernder Berg“ ein aktiver Vulkan ist, ist nicht so leicht zu erkennen.
- Ähnlich verhält es sich mit Konflikten. Ein „heißer“ Konflikt ist am lärmenden „Ausbruch“ leicht zu erkennen. Die Beteiligten feinden sich offen an, sie beschimpfen einander oder prügeln sich sogar.
- Ein „kalter“ Konflikt ist schwieriger zu erkennen. Warnsignale können etwa sein:
- Die Parteien gehen betont höflich aber erkennbar distanziert miteinander um.
Nur die formal notwendigsten Informationen werden weitergegeben – eher schriftlich; zur Absicherung.
Die Parteien versuchen ihre Position über Dritte zu stärken – meist „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“.
Argumente werden – etwa in Meetings – „unmißver-ständlich“ vorgetragen.
Die Parteien unterbrechen sich laufend – es fällt ihnen schwer einander zuzuhören. - Die Energie ist primär auf den Konflikt gerichtet. Es ist wichtig, „rechter“ zu haben als „die anderen“.
Der Wunsch nach einem eindeutigen „Regelwerk zum Umgang miteinander“ wird laut. - Sind derartige „Warnsignale“ erkennbar, so rüsten die Konfliktparteien (über kurz oder lang) zum offenen Schlagabtausch; der „Vulkanausbruch“ ist nicht mehr weit. Konlikt-Moderation ist angesagt.
- Wie läuft Business-Mediation / Konflikt-Moderation / Konflikt-Klärungshilfe ab?
- Die Grundhaltung
- Ein Konflikt kann immer nur von den Beteiligten selbst beendet werden. Nur sie können „das Kriegsbeil begraben“.
- Der Mediator / Moderator kann nur „Katalysator“ oder „Geburtshelfer“ sein.
- Er kann Wahrnehmungen schildern und methodische Angebote machen, mehr nicht.
- Diese Grundhaltung muss allen Beteiligten bekannt sein.
- Die Rahmenbedingungen für Konflikt-Klärungshilfe
- Mediation kann nur gelingen, wenn alle Betroffenen in den Arbeitsprozess einbezogen werden und wenn die Bereitschaft da ist sich auf die Arbeit miteinander und mit dem Mediator einzulassen.und aktiv mitzuwirken. Man könnte dies als „Ganzheitsprinzip“ bezeichnen.
- Ein weiteres Prinzip ist das „Prinzip der Prozessbereitschaft“. Dies bedeutet, dass die
- Betroffenen bereit sein müssen, den Weg der Problembearbeitung miteinander zu gehen. Sie müssen dies in dem Bewusstsein tun, dass Konfliktlösung in aller Regel kein Ereignis ist, sondern ein Prozess.
- Darüber hinaus gilt das „Prinzip der Neutralität“. Der Moderator / Mediator darf nicht Partei sein und er muss sich des Vertrauens aller Beteiligten versichern. Dies gilt in besonderem Maße für Mediatoren. Die nicht als Außenstehende „neutrale Dritte“ zu Hilfe gerufen wurden, sondern die in einer Arbeitsbeziehung zu den Konfliktpartnern stehen, sei es als Vorgesetzter, Projektleiter oder Kollege ...
Das Vorgehen
A) Die Vorarbeit
- Konfliktbearbeitung / Konflikt-Klärungshilfe beginnt mit einem möglichst intensiven Kennen lernen der Situation und der Beteiligten. Dazu können Beobachtung, Befragung und Dokumentenanalyse genutzt werden.
- Erst aus der Kenntnis der Umstände heraus kann der Moderator / Mediator dann ein geeignetes Vorgehen entwerfen.
B) Das Meeting
- Mediation im Business-Bereich hat in aller Regel mit einer Gruppe von Personen zu tun. Zur Themenbearbeitung werden daher (auch) moderierte Workshops genutzt, die meist gut nach dem MODERATIOnsZYKLUS strukturiert werden können.
- Neben der MODERATIOnsMETHODE werden aber - je nach Gruppensituation - weitere Moderations- / Mediationsmethoden zum Einsatz kommen, wie Provokations-, Transparenz- und Feedback-Methoden.
- Im Einstieg geht es vor allem darum, nochmals
- die Ausgangssituation und die gemeinsame Zielsetzung deutlich zu machen. Methodische Hilfe gibt hier z.B. die „Blitzlichttechnk“.4
- In der darauf folgenden Arbeitsphase werden die persönlichen Sichtweisen aller Beteiligten hinterfragt.
- Dabei geht es um die Anerkennung konträrer Sicht- und Erlebens-weisen, um die Aufarbeitung von entstandenen, emotionalen „Kratzern“ und „Wunden“ aber ganz zentral auch um das Entwickeln einer Zukunftsplanung.
- Die letzte Phase, der Abschluss, dient dazu, den gemeinsam gegangenen Weg zu reflektieren und zu würdigen. Methodische Hilfe könnte hier etwa ein „Abschluß-Blitzlicht“ geben.
- C) Die Nachbereitung
- Nach einer Business-Mediation / Konflikt-Moderation / Konflikt-Klärungshilfe besteht die Gefahr, dass alte Muster „wiederentdeckt“ werden, dass man doch (teilweise) „in´s alte Fahrwasser“ gerät.
- Es ist deshalb erforderlich, Controlling-Aktivitäten einzuplanen und die Konfliktpartner für (mindestens) ein Review wiederzusehen.
Literatur
1) managerSeminare 38 / 1999
2) Josef W. Seifert
Visualisieren – Präsentieren - Moderieren
14. Auflage
GABAL Verlag, Offenbach 2000
3) MODERATIO-Notiz 1
4) Josef W. Seifert
Moderation und Kommuniukation
2. Auflage
GABAL Verlag, Offenbach 1999
Konfliktmoderation
Es gibt unterschwellig Aggressionen und mehr oder
weniger offene Auseinandersetzungen.
Das Teamcoaching: Sie nehmen sich mit Ihrem Team 1 bis 1½ Tage Zeit für eine Team-Klausur, in
der in moderierter Form, die Situation beleuchtet und bearbeitet wird. Konfliktmoderation ist eine intensive
Methode zur Konfliktklärung. [mehr »]
Das Teamcoaching sollte in ruhiger Atmosphäre, ohne Störungen, bei Ihnen vor Ort oder in einer externen
„Location“ stattfinden.
Konfliktmoderation –
Grundsätzliches
Ein Konflikt, was ist das eigentlich?
Und Konfliktklärung, Konfliktmoderation?
Konflikte kennt jeder. Konflikte sind alltäglich. Konflikte sind nicht vermeidbar. Was aber ist das eigentlich, ein Konflikt?
Ist eine Meinungsverschiedenheit ein Konflikt? Haben wir also, wenn wir unterschiedliche Wertvorstellungen haben, etwa darüber, wie in unserer Organisation geführt werden soll, einen „Wertekonflikt“? Und einen „Zielkonflikt“, wenn wir unterschiedlicher Auffassung darüber sind, wo wir mit unserer Organisation „hin wollen“? Oder einen „Wegekonflikt“, wenn wir uns zwar über das Ziel einig sind, nicht aber über die Strategie?
Ich meine nein, das sind Meinungsverschiedenheiten, keine Konflikte. Richtig ist, dass aus Meinungsverschiedenheiten Konflikte entstehen, und zwar immer dann, wenn die Beziehung Differenzen nicht aushält.
Ein Konflikt entsteht nicht zwangsläufig schon dann, wenn der Versuch sich auf eine gemeinsame Sichtweise darüber zu einigen, was erstrebenswert ist oder was wem zusteht etc. misslingt. Zu einem Konflikt kommt es erst, wenn emotionale Kratzer, Narben und Wunden entstehen.
Wenn wir uns nicht einig sind, wie etwas zu sehen oder zu bewerten ist, was unsoziales Verhalten ist etwa oder was ein erstrebenswertes Ziel ist, wie wir unsere knappen Ressourcen am sinnvollsten nutzen sollten … dann ist das nichts weiter, als ein Unterschied in Wahrnehmung und /oder Bewertung. Und: wir können trotzdem respektvoll, ja wohlwollend mit einander umgehen.
Kann ich aber dem anderen nicht mehr offen gegenüber treten, weil ich mich von ihm nicht gesehen, nicht ernst genommen, benutzt, hintergangen oder verraten fühle, dann haben wir mehr als eine unterschiedliche Sichtweise, mehr als eine Meinungsverschiedenheit.
Jetzt können wir mit dem anderen nicht mehr nur über die Sache sprechen, ohne an der Wahrheit unserer Beziehung zu zweifeln, nein, jetzt zweifeln wir an der Echtheit unserer Beziehung und damit an der Aufrichtigkeit des anderen und an den Worten die er sagt … Wir beginnen zu glauben, dass der andere uns Böses will und die „Abwärtsspirale“ dreht sich, wir haben einen Konflikt.
So weit so gut, was aber heißt das nun ganz konkret?
Konfliktcoaching: Inhalt und Beziehung
Immer wenn Menschen miteinander sprechen, sprechen sie auf zwei Ebenen gleichzeitig miteinander. Einerseits sagen sie etwas über eine Sache und andererseits sagen sie gleich dazu, wie sie das was sie sagen verstanden haben möchten.
Wenn etwa eine Mutter ihr Kind schimpft, so wird sie dies nicht „zuckersüß“ tun, sondern mit entsprechendem „Nachdruck“. Wenn die Chefin den Mitarbeiter kritisiert, wird sie ebenfalls eher ein ernstes Gesicht aufsetzen,
damit dieser auch merkt, wie ernst es ihr mit der Kritik ist.
Die Kritik hat einen Inhalt, nämlich die zu kritisierende Sache, und eine Form, durch die Art wie sie gesagt wird.
Der Inhalt ist der Inhalt und der kann mehr oder weniger verständlich formuliert sein. Aber das „Wie“ beschreibt durch Tonfall, Lautstärke, Modulation, Körperhaltung, Blick usw., die Beziehung zwischen den beteiligten Personen.
Das Wie sagt etwas darüber aus, wie der Sprecher sich in Beziehung zum Zuhörer sieht, wie aus seiner Sicht das ICH zum DU steht.
Im Beispiel des Kritisierens: Glaubt der Sprecher, dass es ihm zusteht, den anderen zu kritisieren? Sieht er sich sogar in der Pflicht den andern zu korrigieren? Muss der andere sich das (aus Sicht des Sprechers) gefallen lassen? Diese Fragen werden, unabhängig von der Sache, um die es gerade geht, beantwortet.
Zusammengefasst: Ein Gespräch läuft immer auf den zwei Ebenen Sach- oder Inhaltsebene und Gefühls- oder Beziehungsebene ab und beinhaltet immer die drei Aspekte Es, Ich und Du.
Da man im „normalen“ Gespräch so tut, als würde man nur über eine Sache sprechen und es gäbe nur die Sach- oder Inhaltsebene, kann man auch vom „Kommunikations-Eisberg“ sprechen. Offenkundig ist nur die Spitze, das „dicke Ende“ ist zwar vorhanden, aber nicht offensichtlich. Es ist unter der Oberfläche verborgen. Die nachstehende Grafik zeigt diesen Zusammenhang:
Im normalen Umgang mit anderen achtet man in aller Regel nicht auf diese Aspekte, viele Menschen wissen ja auch gar nicht um diese Zusammenhänge. Erfolgreiche Kommunikation entsteht dann, weil man intuitiv das Richtige tut.
Wenn man sich einen Dialog genau anschaut, findet man, wie die genannten Elemente, den Erfolg der Kommunikation beeinflussen.
Der Aspekt ES im Konfliktcoaching
Will man in der Sache erfolgreich kommunizieren, also erreichen, dass der andere versteht, was man ihm sagen will, so muss man sich hinsichtlich der Sache um die „ES“ geht, um Verständlichkeit bemühen.
Kurze Sätze (Kürze) und einfache Sprache (Einfachheit), auf den Punkt kommen (Prägnanz), sowie eine geordnete Vortragsweise (Gliederung/Ordnung) und der Einsatz von Schaubildern, Metaphern, „Witz“ (Zusätzliche Stimulanz), erleichtert das Zuhören und erhöhen die Verständlichkeit des Gesagten (vgl. Tausch/Tausch).
Der Aspekt ICH im Konfliktcoaching
Miteinander lebt von Vertrauen. Wir treiben zwar viel Aufwand um uns abzusichern, aber 100%ige Sicherheit gibt es nur als Fiktion. Ohne „glauben an“, ohne „vertrauen auf“, geht es nicht.
Um jemandem vertrauen zu können, ist es erforderlich, dass ich den Eindruck gewinne, dass mein Gegenüber es ehrlich mit mir meint. Dazu muss der andere für mich „erfahrbar“ sein. Ich möchte den anderen als authentisch, als „echt“ erleben.
Ehrliche Aussagen und Reaktionen sind daher stets besser, als eine noch so gekonnte „Maskerade“.
Der Aspekt DU im Konfliktcoaching
Jeder Mensch braucht Nähe. Jeder möchte gesehen, akzeptiert, anerkannt, geliebt werden. Das Maß an Zuwendung, das in einem Gespräch angemessen ist, hängt von der Beziehung ab, die die Gesprächspartner zueinander haben. Immer angemessen ist aber
Wertschätzung, Wohlwollen und Achtung vor dem Gegenüber.
Die Meinung des andern anzuhören und nicht als weniger wichtig oder weniger richtig abzutun, ist dazu ein zentraler Beitrag!
Ergänzt man nun das Eisberg-Modell um die genannten Aspekte, so wird auf einen Blick deutlich, welche Ziele jeden Gesprächspartner leiten müssen:
Diese Ziele gehen im Konflikt verloren. Die Kommunikation wird immer verkrampfter, die Beteiligten sind wenig sensibel für die Belange des anderen. Wenn der andere nicht versteht wird schnell unterstellt, dass er „nur nicht will“. Erfolgreich Kommunizieren bedeutet dann nicht (mehr), zusammenzukommen, sondern zu trennen, zuzuschlagen und möglichst zu „siegen“.
Es geht völlig der Blick dafür verloren, dass man nicht siegen kann, sondern nur schaden und das letztlich auch sich selbst und bliebe da dann „nur“ der Aspekt, dass man Schuld auf sich geladen hat.
Immer wenn die Beziehung in Frage gestellt wird oder bereits destruktive Züge trägt, besteht ein Konflikt – und ich meine, nur dann.
Die zentrale Aufgabe der Konfliktmoderation ist es, Beziehungsstörungen, -krisen, -risse zu erkennen, sichtbar und besprechbar zu machen. Das kann nur gelingen, wenn die Verletzungen nicht bereits zu tief sind, der Konflikt schon zu tief geht.
Beziehungen verschlechtern sich in aller Regel nicht „von heute auf morgen“, sondern ein Konflikt entsteht mit der Zeit, phasen- oder stufenweise. Jeder Konflikt hat seine Genese.
Immer wenn die Beziehung in Frage gestellt wird oder bereits destruktive Züge trägt, besteht ein Konflikt – und ich meine, nur dann.
Ohne Beziehungsverletzung kein Konflikt.
Konfliktgenese: Entwicklungsstadien von KonfliktenIn aller Regel haben Konflikte eine Historie, die Sache „schaukelt sich hoch“, es wird mit der Zeit „immer schlimmer“ ... Friedrich Glasl hat diesen Sachverhalt als „Treppe in den Abgrund“ in die folgenden neuen Stufen unterteilt: Die Beziehung zwischen den Konfliktparteien verhärtet und führt über das „Abreißen“ der Beziehung und die Unfähigkeit noch konstruktiv miteinander umzugehen bis zum Willen den anderen zu vernichten und sei es um den Preis, der eigenen Existenz.
Auch wenn man den Faden nicht ganz so fein spinnt, und von spontanen Stressreaktionen nach dem „Strickmuster“ Autofahrer A beschimpft Autofahrer B, weil dieser ihm den Parkplatz weggeschnappt hat, absieht, bleibt die Tatsache, dass Konflikte nicht im Augenblick entstehen, sondern eine Historie haben. Es kam „irgendwie“, niemand weiß konkret zu sagen, wie genau das entstanden ist, was jetzt ist und wenn, dann ist es eine höchst subjektive Sicht der Dinge. Es wird immer eine Diskussion darüber geben können, ob nun die Henne zuerst war, oder doch das Ei.
Für die Konfliktklärung ergibt es daher weder Sinn, noch ist es erforderlich, diese Historie, wie Perlen auf der Schnur, aufzureihen. Wichtig ist einzig, zu wissen, ob mit einer Intervention durch einen (externen) Moderator mit Kanonen auf Spatzen geschossen würde oder, im anderen Extrem, die Situation schon derart verfahren ist, dass man keinen Blumentopf mehr gewinnen kann oder die Situation „irgendwo dazwischen“ angesiedelt ist und ein Versuch zur Klärung angezeigt ist.
Zur groben Orientierung schlage ich ein pragmatisches, dreistufiges Modell, das „ABC-Modell der Konfliktgenese“ vor:
Stufe A: Irritation / Verärgerung
Situation: Marotten oder Typunterschiede verursachen Irritationen, die aber geschluckt werden, weil die „Beziehungs-Bilanz“ aufgeht. Die Beziehung ist unbelastet von sonstigen Stressfaktoren, wie Geldsorgen, Arbeitsüberlastung, Zeitdruck …
Missverständnisse oder Kommunikations-Tollpatschigkeiten werden durch Wohlwollen abgefedert.
Interpretation: Verletzungen durch den anderen werden als stressbedingte Fehltritte oder Handlungen aus Gedankenlosigkeit, aus Hilflosigkeit der Situation gegenüber oder Unwissenheit interpretiert.
Missklänge werden beim Kaffee oder beim sprichwörtlichen Bier angesprochen und ausgeräumt, indem man sich „ausspricht“. Oder es platzt einem der Kragen und man führt ein „Grundsatzgespräch“ …
Intervention: Das kollegiale Gespräch und das klassische Mitarbeitergespräch sind hier die adäquaten Interventionswerkzeuge. Ein Moderator/Teamcoach kann hinzugezogen werden um das Gespräch zu moderieren.
Stufe B: Verletzung
Situation: Aufgestaute „Minitraumen“ (vgl. S.129) führen dazu, dass die Konfliktparteien Verletzungen der anderen Partei zulassen oder gar fördern, etwa, dass diese bei Kollegen, Vorgesetzen, Kunden … „schlecht dasteht“. Wenn der andere „sein Gesicht verliert“, so ist dies ein kleiner Sieg. Die Verletzungen werden unter den Teppich gekehrt und nicht mehr bereinigt. Die Beziehung wird schlechter, das Konfliktpotential wächst.
Interpretation: Verletzungen durch den anderen werden als Dummheit, Frechheit oder auch Rücksichtslosigkeit des anderen interpretiert. Es wird „böse Absicht“ für möglich gehalten: „So blöd kann der/die doch gar nicht sein!“
Intervention: Das offene Gespräch „unter Kollegen“ ist nicht mehr möglich. Die Situation verhärtet sich oder es werden laufend weitere Verletzungen produziert. Ein Mitarbeitergespräch bringt bestenfalls keine weitere Verschlimmerung. Ein Moderator/Teamcoach kann das Gespräch moderieren und die Chance, dass eine Klärung gelingen kann, ist groß.
Stufe C: Hass
Situation: Verletzungen durch den anderen werden als absichtlich herbeigeführte Provokation des anderen interpretiert. Der direkte Kontakt wird vermieden. Wenn kommuniziert wird, dann über Dritte, wie Personalrat und/oder Rechtsanwalt. Die Parteien versuchen einander Schaden zuzufügen und sei es, unter Hinnahme eigener Nachteile. Ein Schaden, bei dem man selbst mit weniger Verlust herauskommt als die Gegenpartei, wird als Gewinn gewertet …
Interpretation: Die Parteien unterstellen sich Böswilligkeit. Dass die andere Seite (noch) menschliche Qualitäten haben könnte, wie die Fähigkeit Fehler einzugestehen, Fehler zu verzeihen, dem andern um des Menschseins willen mit Wohlwollen zu begegnen, ihn zu respektieren und anzunehmen … sind außerhalb der Vorstellungskraft. Man unterstellt einander, dass bei einem Treffen nur weitere Verletzungen entstehen würden, da die andere Seite zu einem konstruktiven Dialog weder willens noch in der Lage ist.
Intervention: Ein Gespräch unter der Leitung eines Moderators/Teamcoaches hat – so weit es überhaupt realisierbar wäre – kaum eine Chance auf eine Klärung der Situation. Allein eine Trennung der Konfliktparteien kann den „Betriebsfrieden“ wieder herstellen. Wenn nicht eine der Parteien „die Flucht ergreift“, bleibt letztlich nur ein Machteingriff, der die Trennung der Konfliktparteien zum Ziel und zur Folge hat. Für diese Konfliktparteien bedeutet dies weder Klärung noch Heilung, aber für das Team ist ein Neubeginn möglich.
Auf den Punkt gebracht:
1) Konflikte basieren auf Beziehungsverletzungen. Ohne Beziehungsverletzung kein Konflikt.
2) Die zentrale Aufgabe der Konfliktklärung kann nur darin bestehen, Heilungsraum für verletzte Beziehungsstrukturen zu schaffen.
3) Ob ein Konflikt mit den Möglichkeiten der Konfliktmoderation bearbeitet werden sollte / kann, hängt von der Tiefe der bestehenden Verletzungen ab.
Konfliktkläung –
Situations- und Auftragsklärung
Wurde in einer Organisation oder einem Team entschieden, zur Klärung eines bestehenden Konfliktes einen KonfliktModerator / KonfliktMediator hinzuzuziehen, wird das Telefon klingen …
Jetzt geht es darum, das Anliegen des Anrufers zu klären und herauszuarbeiten, ob es zu einer Zusammenarbeit kommen soll.
Dazu ist einerseits wichtig, das Selbstverständnis zu vermitteln, mit dem man an eine Konfliktklärung herangeht und andererseits herauszufinden, ob man diese Aufgabe übernehmen möchte.
Man sollte für diesen Fall wissen, mit welchen typischen Denkfehlern und daraus resultierenden Erwartungen man dabei rechnen muss.
Typische Denkfehler
Konflikte sind schlecht!
In China setzt sich der Begriff Konflikt aus dem Zeichen für „mögliche positive Veränderung“ und dem Zeichen für „mögliche Gefahr“ zusammen. Dementsprechend können Phänomene sowohl als fortschrittshemmende Störungen als auch als unabdingbarer Motor und Stimulus sozialen Wandels gesehen werden. Ich finde diese chinesische „Doppeldeutigkeit“ deshalb erwähnenswert, weil sie einen wichtigen Kern trifft: Jede Krise beinhaltet Chancen, wenige oder viele, das ist ganz unterschiedlich – nie aber keine! Dies sollte man als KonfliktmoderatorIn verinnerlicht haben. Am leichtesten gelingt einem dies, wenn man das selbst schon durchlebt und erfahren hat, wenn man selbst die eine oder andere „Konfliktschramme“ abgekriegt hat.
Dennoch ist auch die Überzeugung wichtig, dass Konflikte nicht immer in „Harmonie“ münden können oder müssen. Konfliktbearbeitung ist nicht das Streben danach, den Zustand wieder herzustellen, der „früher einmal“ war. Vielmehr geht es darum, den Beteiligten und Betroffenen in einem ersten Schritt zu helfen, anzuerkennen, was ist. In einem zweiten Schritt kann dann ein Verstehen entstehen, wie es dazu kam, dass es nun einmal ist, wie es nun einmal ist. Auf dieser Basis kann dann eine Er-Lösung entstehen; eine Garantie gibt es dafür freilich nicht.
Hinterher ist es so, wie es einmal war!
Um eine zweite chinesischer Weisheit zu strapazieren: Man muss sich als KonfliktmoderatorIn und freilich auch als Konfliktbeteiligter (da ist es nur ungemein schwerer) der Tiefe der chinesische Weisheit „Du kannst nicht zweimal in den selben Fluss steigen!“ bewusst sein. Es wird niemals mehr sein, wie es war, wie schlecht oder gut die Konfliktbearbeitung und Verarbeitung auch immer gelingen mag. Es wird danach schlechter oder besser, auf jeden Fall aber anders sein. Daraus folgt, dass es kindlich naiv, ja unredlich ist, als Konfliktmoderator als Ergebnis einer gemeinsamen Konfliktbearbeitung eine Konfliktlösung zu versprechen, die alles „heil macht“, so dass es hinterher wieder so ist, wie es „vorher einmal war“.
Konfliktbearbeitung bedeutet Konfliktlösung!
Die Anforderung an den Konfliktmodertor ist die, (bestenfalls) eine Klärung der Situation in Aussicht zu stellen, wohl wissend, dass er selbst diese nicht garantieren kann, da er es dazu fertig bringen muss, dass die Konfliktparteien 1. „Auspacken“ und 2. es schaffen anzuerkennen, was ist um 3. zu erkennen, wie es dazu kam, dass es jetzt ist, wie es ist, sowie ggf. 4. das (Er)Finden von „Lösungen“ ermöglichen.
Gelingt dies, ist erst jetzt ein Stadium erreicht, in dem es möglich ist, darüber nachzudenken, was das nun für die gemeinsame – oder auch nicht gemeinsame – Zukunft bedeuten könnte, kann, wird ... Nur so und erst dann, kann eine nachhaltige Lösung entstehen!
Eine Lösung muss „schön“ sein!
Lösung muss nicht „Friede, Freude, Eierkuchen“ heißen! Lösung kann auch heißen, wir finden keine Basis mehr für ein weiteres Miteinander. Das Gegeneinander soll (oder muss) aber dennoch aufhören. Die Lösung sieht so aus, dass wir uns trennen. In einer Organisation kann das bedeuten, dass die Organisationsstruktur verändert wird, dass jemand die Abteilung wechselt oder die Organisation verlässt.
„Konfliktlösung kann auch bedeuten, dass jemand die Organisation verlässt!“
Ein Konflikt muss analysiert werden!
Bei der Auftragsklärung ist es wichtig, nicht zu wenig zu fragen, vielleicht aus Angst als begriffsstutzig zu wirken oder als inkompetent anzukommen. Es ist andererseits auch wichtig, nicht zu tief einzusteigen. Letzteres birgt nämlich die Gefahr, parteiisch zu werden, indem man sich zu sehr nur in die eine Seite hinein denkt. Nämlich in die, mit der man das Vorgespräch führt. Zudem ist es sehr wichtig, dass „der Druck im Kessel“ bleibt und der Gesprächspartner nicht schon jetzt entlastet wird und dadurch schon im Vorfeld der Eindruck entsteht, es sei ja „schon alles gesagt“. Beides würde die spätere Klärungsarbeit erschweren.
Daher macht es in aller Regel auch keinen Sinn mit weiteren oder gar allen Beteiligten vorab zu sprechen. In aller Regel reicht es, mit dem für den Konflikt Verantwortlichen den Auftrag zu klären. Möchte der Auftraggeber vor/zur Auftragsvergabe ein „Kennenlern-treffen“ oder/und dass Einzelgespräche mit allen Beteiligten geführt werden, zeugt das lediglich von seiner Unsicherheit. Er möchte jetzt alles richtig machen und „auf Nummer sicher gehen“. Erklärt man sich zu einem Treffen bereit, muss man wissen, welchen Preis es kosten wird! Es empfiehlt sich in aller Regel, ein derartiges Ansinnen, aus genannten Gründen, abzulehnen. Es schadet meist mehr, als es nützt.
Situationsscreening
Um eine Orientierung dafür zu haben, was es zu klären gilt, kann man eine Metapher nutzen, man könnte sie „Situationsscreening“ nennen, in der man sich vorstellt, dass die Betroffenen im Autobus unterwegs sind und sich frägt: „Was ist im Bus los, was sieht man im Rückspiegel, was beim Blick durch die Frontscheibe, wie sieht die Umgebung aus?“
Innenraum: Was ist denn da derzeit im Bus los? Sitzt jemand am Steuer? Fährt diese Person das Fahrzeug sicher? Hat sie das Vertrauen der Insassen? Ist das Fahrzeug ohne Steuermann oder steuern mehrere?
Rückspiegel: Was sieht man im Rückspiegel? Ist die Vergangenheit „spurlos“ an den Beteiligten vorüber gegangen, oder gibt es da Ereignisse, die die aktuelle Situation prägen? Liegt da ein Scherbenhaufen oder verhängt aufgewirbelter Staub die Sicht?
Frontscheibe: Was sieht man, wenn man durch die Frontscheibe schaut? Worauf steuern die Insassen zu? Wo wollen sie hin? Was ist ihr Ziel? Gibt es mehrere Ziele? Was ist der Auftrag?
Umfeld: Wie ist die Umgebung beschaffen? Wie das Wetter? Wie die Fahrbahn? Mit welchen Einflüssen und Anforderungen sind die Betroffenen konfrontiert?
Fragen, mit denen man diese vier Aspekte „abscannen“ kann, sind Fragen, wie etwa:
Umfeld:
- Um welche Organisation handelt es sich?
- Welche Position haben Sie in der Organisation?
- Wie sieht das Organigramm aus?
- Wer sind die anderen Beteiligten und Betroffenen?
- Warum fragen Sie gerade jetzt an?
- Wie stehen die Konfliktparteien dazu Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen?
- Wer weiß davon, dass Sie mit mir sprechen?
- Was ist Ihr Motiv externe Hilfe anzufordern?
Innenraum:
- Was ist los? Worum geht es konkret?
- Wie äußert sich der Konflikt?
- Welche Rolle spielen Sie in dem Ganzen?
- Wer ist alles involviert?
- Wie verhalten sich diese Personen in Bezug auf den Konflikt? Besteht Konfliktbewusstsein / Leidensdruck / Bereitschaft zur Bearbeitung?
- Welche Rolle spielen die Vorgesetzten?
- Wie wirkt sich das konkret auf die Zusammenarbeit aus?
- Sind Sie die für diesen Konflikt zuständige Führungskraft?
- Was ist Ihr Anteil, dass es jetzt so ist wie es ist?
Rückspiegel:
- Wie ist die Vorgeschichte?
- Wie lang arbeiten die Menschen schon zusammen?
- Wie lange geht das schon so?
- Wie hat das begonnen?
- Was haben Sie schon unternommen?
Frontscheibe:
- Welche Aufgaben hat das Team künftig?
- Was sind die Ziele, die das Team anstrebt?
- Wird sich in absehbarer Zeit organisatorisch etwas ändern?
- Welche Ziele verfolgen Sie mit der Konfliktklärung konkret?
- Was darf keinesfalls passieren?
- Was machen Sie, wenn die Konfliktmoderation keine Besserung der Situation bringt?
- Aus welchem Grund machen Sie das nicht jetzt schon?
Diese und jede weitere Frage, die dem Moderator hilft zu verstehen, wie sich die Situation vor Ort darstellt und entscheiden zu können, ob er den Auftrag annehmen möchte, ist wichtig. Aspekte, die unbedingt genauer „unter die Lupe“ genommen werden müssen, sind im Folgenden skizziert.
Zu klärende Aspekte
Um entscheiden zu können, ob es Sinn macht die Aufgabe anzunehmen, sind folgende Aspekte gründlich „abzuklopfen“:a) Echtheit des Anliegens: Ist das Anliegen echt oder soll die Erledigung einer „lästigen Angelegenheit“ in Auftrag gegeben werden?
b) Verhandlung oder Klärung: Soll es um das Finden von Kompromissen gehen, ist also eine Verhandlung zu gestalten die nicht in die Tiefe gehen soll, oder ist Konfliktklärung und Heilung der Beziehung angestrebt? c) „Stand der Dinge“: Wie ist das Entwicklungsstadium des Konfliktes? Ist Konfliktklärung „zuviel des Guten“ und die Betroffenen sollten erst einmal versuchen selbst zu Rande zu kommen oder ist die Sache schon so verfahren, dass eine Klärung wenig Aussicht auf Erfolg hat? Wie stellt sich der Konflikt bisher dar? Lässt sich „Konfliktverhalten“ erkennen? Woran glaubt der Verantwortliche einen Konflikt zu erkennen?d) Art der Konfliktaustragung: Wie verhalten sich die Beteiligten? Wurde lauthals gestritten? Kommt es immer mal wieder zum „Ausbruch“? Oder kommt der Konflikt eher auf leisen Sohlen daher?
e) Historie: Was wurde bereits unternommen? Was hat das bewirkt? Wer hat welche Erwartungen an einen weiteren Klärungsversuch? Wie ist die Bereitschaft der Betroffenen sich noch auf einander einzulassen?
f) Abgrenzung des Systems: Handelt es sich um einen Zweier- oder einen Teamkonflikt? Wer ist für die Konfliktklärung verantwortlich? Besteht der Konflikt zwischen „oben“ und „unten“? Wer muss in die Konfliktklärung einbezogen werden?
Die Aspekte im einzelnen:
a) Echtheit des Anliegens
Für den Konfliktmoderator geht es zum Zeitpunkt einer Anfrage zunächst darum herauszufinden, ob das Anliegen „echt“ ist und er eine Chance hat sich für die betroffenen Menschen nützlich zu machen. Dabei ist es schon beim ersten – in aller Regel telefonischen – Kontakt wichtig, Fallen zu erkennen, die es zu meiden gilt.
Typische Fallen sind:
- „Feigenblatt“: Die geplante Veranstaltung soll als Alibi dienen, damit der Auftrageber später sagen kann: „Wir haben alles versucht!“. Ein echtes Interesse an einer Problembearbeitung besteht nicht.
- „Reparaturbetrieb“: Die Vorgesetzten sind nicht bereit, sich einzubringen. Der Moderator soll die Menschen „reparieren“, damit es nicht weiter Ärger gibt.
- „Trojanisches Pferd“: Der Moderator soll „denen“ vor Augen führen, dass es so nicht geht und aufzeigen, wie es geht. Er soll als „Sprachrohr“ des Managements benutzt werden.
Manche Manager und Führungskräfte möchten, aus einem mechanistischen Bild von sozialen Systemen heraus, Ihre Verantwortung nicht annehmen, sondern an den Moderator, Berater, Coach … abgeben. Erkennt man ein derartiges Ansinnen ist man gut beraten, dies anzusprechen und im Zweifel den Auftrag erst gar nicht weiter zu klären.
b) Verhandlung oder Klärung
Konfliktmanagement oder Mediation, oder wie immer man das Bemühen um Konfliktregelung auch nennen mag, geht häufig vom Bild einer Verhandlung aus und der Arbeitsprozess wird „zukunftsorientiert“ organisiert. Es geht dabei zentral darum, zwischen Person und Sache zu trennen, zwischen Position und Interesse zu unterscheiden und „sachgerechte Lösungen“ zum beidseitigen Vorteil zu finden. Ein „Waschen dreckiger Wäsche“ findet (möglichst) nicht statt. Eine Rückschau ist nicht vorgesehen. Es geht darum nach vorne zu blicken und (kreative) Lösungen zu erarbeiten.
Doch genau hier ist der Punkt an dem Verhandlung und Konfliktklärung sich unterscheiden. Konfliktklärung geht davon aus, dass genau das stattfinden muss. Grundsätzlich gilt:
a) Kein stabiler Neubeginn, keine Nachhaltigkeit ohne Heilung.
b) Keine Heilung ohne Klärung.
c) Keine Klärung ohne Rückschau.
Die Wunde muss gereinigt werden bevor sie genäht wird! Die emotionalen Kratzer und Wunden müssen angeschaut werden, damit sie losgelassen werden können und damit sie dann „vernarben“ können.
Deshalb ist auch der direkte Weg, vom Vorwurf zum Wunsch, auch als „VW-Verfahren“ bekannt, in der Konfliktklärung nicht denkbar. Dieser stellt sich allzu oft als „Holzweg“ heraus. Es ist nur scheinbar eine Abkürzung, weil verletzte Gefühle keine gute Basis dafür sind, sich etwas von einander zu wünschen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Konfliktbearbeitung nicht nachhaltig sein wird, die „Rückbildungsdynamik“, wie Fritz Glasl das einmal genannt hat, ist umso größer, je direkter man eine Lösung anstrebt. Der direkte Weg erweist sich oft als „Irrweg“.
Grundsätzlich gilt: In der Konfliktklärung gibt es keinen Lift, man muss die Treppe nehmen. Aber, die Mühe lohnt sich in aller Regel, geklärte Beziehungen sind ein gutes, tragfähiges Fundament für Lösungen.
Ist seitens der Betroffenen keine Bereitschaft vorhanden, sich auf einander einzulassen und darüber zu reden, wodurch es aus Sicht des Einzelnen so gekommen und geworden ist, wie es jetzt ist, soll definitiv keine „dreckige Wäsche gewaschen“ werden, steht eine Konfliktklärung auf tönernen Beinen.
c) „Stand der Dinge“
Haben die Konfliktparteien bereits die Stufe 3 „Hass“ erreicht und es ist davon auszugehen, dass ein sich aufeinander einlassen nicht mehr gelingen kann, ist der Versuch durch eine Konfliktmoderation zu helfen „mit drei Fragezeichen“ zu versehen.
d) Art der Konfliktaustragung
Konflikte lassen sich, unabhängig davon, in welchem Entwicklungsstadium sich der Konflikt befindet, bezüglich ihrer Austragungsart, grob in „kalte“ und „heiße“ Konflikte einteilen. Man könnte es mit einem Vulkan vergleichen. Solange er „schlummert“, ist er kalt, wenn er aber „Feuer speit“ ist er heiß. In beiden Fällen handelt es sich um einen Vulkan. Der Vulkanausbruch ist leicht zu erkennen; dass ein „schlummernder Berg“ ein aktiver Vulkan ist, ist nicht so leicht zu erkennen. Ähnlich verhält es sich mit Konflikten.
Ein „heißer“ Konflikt ist am lärmenden „Ausbruch“ leicht zu erkennen. Die Beteiligten feinden sich offen an, sie beschimpfen einander oder prügeln sich sogar.
Je nach dem, wie die beteiligten Personen „gestrickt“ sind und was die Kultur des Hauses zulässt, wird ein Konflikt eher heiß oder eher kalt ablaufen.
Ein „kalter“ Konflikt ist schwieriger zu erkennen. Warnsignale können etwa sein:
- Die Parteien gehen betont höflich, aber erkennbar distanziert miteinander um.
- Nur die formal notwendigsten Informationen werden weitergegeben und das bevorzugt per eMail, um den direkten Kontakt zu vermeiden oder/und sich selbst abzusichern.
- Die Parteien versuchen ihre Position über Dritte zu stärken, indem sie Halbwahrheiten verbreiten und Gerüchte schüren.
- Argumente werden - etwa in Meetings - „unmissverständlich“ vorgetragen.
- Es fällt den Menschen schwer, einander zuzuhören.
- Es wird zunehmend Energie für den Konflikt aufgewendet: Es ist wichtiger recht zu haben, als Probleme zu lösen.
- Der Wunsch nach einem eindeutigen „Regelwerk zum Umgang miteinander“ wird laut, Standards und „Teamregeln“ sollen die Probleme lösen.
Wird der Konflikt so „kalt“ ausgetragen, dass die Teilnehmer die Existenz eines Konfliktes verneinen und ein Konfliktbewusstsein weitgehend fehlt, wird es schwierig werden, Zugang zu finden und die Themen zu bearbeiten. Nur wenn ein Mindestmaß an Problembewusstsein und Leidensdruck vorhanden ist, macht ein moderiertes (Gruppen)Gespräch Sinn.
Ziel eines Erstgespräches ist es nicht, sofort den Sachverhalt „komplett zu verstehen“, sondern das Gefühl zu bekommen, verstanden zu haben, worum es im Kern geht. Der Konfliktmoderator muss die Überzeugung gewinnen, dass Konfliktmoderation die richtige Intervention ist und hilfreich sein kann.
Gegebenenfalls kann man sich etwas “Bedenkzeit” erbitten und in Ruhe überlegen, ob man den Auftrag übernehmen möchte.
Hat man den Eindruck gewonnen, dass es Sinn macht sich einzulassen, geht es darum die Situation genauer zu klären ...
e) Historie: Konfliktcoaching - Konfliktmoderation
Ein Konflikt hat immer eine Historie, sie ist kurz oder lang oder sehr lang. In aller Regel wurden auch schon Lösungsversuche unternommen, bevor man auf einen (externen) Konfliktmoderator zugeht. Häufig wurde schon eine Kollegin bemüht, ein Kollege zugezogen.
Aus Furcht vor der direkten Konfrontation wird immer wieder versucht Konflikte indirekt zu lösen. Es werden Mitarbeiter räumlich getrennt, ins Nachbarteam versetzt oder es wird ein Projekt aufgesetzt und man versucht im Kick-off-Workshop über die Formulierung von „Teamregeln“ die Sache zu in den Griff zu bekommen.
Oftmals wird eine „Teamentwicklung“ initiiert, um die Dinge in Ruhe zu besprechen …
Liegt ein Konflikt vor, werden diese Ansätze nicht tief genug gehen. Nach vergeblichen Versuchen den Konflikt zu klären, sucht man Konfliktberatung.
Wurde der Konflikt schon (mehrfach) mit professioneller Hilfe zu klären versucht, wäre eine Konfliktmoderation vermutlich ein „mehr des selben“ und würde keinen signifikanten Unterschied machen. Es ist zu vermuten, dass eine andere Intervention als der Dialog erforderlich ist. Es ist zu vermuten, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt und eine Lösung nur über eine Organisationsänderung oder eine Trennung möglich sein wird.
f) Abgrenzung des Systems
Wollte man Beziehungen in der Arbeitswelt von deren Struktur her klassifizieren, so gibt es im Prinzip – frei nach Paul Watzlawick (vgl. 134ff) – zwei Arten von Beziehungen: symmetrische und komplementäre.
Eine symmetrische Beziehung liegt dann vor, wenn die handelnden Personen gleichberechtigt sind, wenn also B mit A genauso umgehen darf, wie A mit B. Das ist (auf den ersten Blick) etwa bei zwei Inhabern einer Firma gegeben, die diese gemeinsam gegründet haben und gemeinsam leiten. Auf den ersten Blick deshalb, weil trotzdem Unterschiede bestehen werden. Der eine hatte die Idee, der andere hat mitgemacht oder die eine hatte das Startkapital und die andere hat den ersten Kunden eingebracht usw.
Als komplementär, sich ergänzend, können wir eine Beziehung immer dann betrachten, wenn es ein Gefälle gibt, wie das klassische Über- und Unterordnungsschema in Organisationen. Kein Chef ohne Mitarbeiter – kein Mitarbeiter ohne Chef: Beide Rollen bedingen einander. Vater – Sohn, Mutter – Tochter, Lehrer – Schüler sind weitere Beispiele.
In Teams gibt es immer beide Arten von Beziehungen und es gibt immer jemanden, der für die disziplinarischen Angelegenheiten verantwortlich ist, auch in teilautonomen oder sogenannten selbstregulierten Teams.
Das führt zur Frage: Wer muss im Klärungsgespräch bzw. im Workshop eigentlich dabei sein? Für den Moderator stellt sich die Frage nach der Systemabgrenzung.
Nun, jedes Team ist ein soziales System. Es besteht aus Individuen die auf der Basis sozialer Regeln miteinander interagieren. Wer aber gehört im Einzelfall zu diesem – jetzt durch einen Konflikt in seiner Funktionalität gestörten – System? Gehört die Teilzeitkraft dazu, die nur zwei halbe Tage die Woche im Team aushilft? Wie steht es um die Praktikantin, die nur einige Monate da ist? Was ist mit dem Neuen, der erst die zweite Woche dazu gehört und wie ist das mit der Chefin, die mit der ganzen Streiterei eigentlich gar nichts zu tun hat, weil sich das ja im Grunde nur zwischen Herbert und Sabine abspielt? Ist das am Ende eh nur ein Zweierkonflikt?
Ein Zweier-Konflikt wäre der Konflikt zwischen Herbert und Sabine nur dann, wenn es keine interne Instanz über den beiden gäbe, wenn also niemand für die Regelung der Zusammenarbeit zuständig wäre außer die beiden selbst. Das wäre dann der Fall, wenn sie gleichberechtigte Geschäftsführer ihres eigenen Unternehmens wären. Gibt es aber einen Chef, dann ist auch dieser untrennbar Teil des Systems. Auch er nimmt Einfluss und wird beeinflusst!
Zudem gehören prinzipiell alle Teammitglieder dazu, die demselben Chef zugeordnet sind und Arbeitsbeziehungen zueinander pflegen (vgl. Abb. X).
Übersehen wird nämlich leicht, dass Menschen, die in sozialen Systemen zusammenleben, auch wenn diese nicht offensichtlich „mit streiten“ auf das Konfliktgeschehen wirken. Und das Konfliktgeschehen nicht spurlos an diesen Menschen und deren Leistungsfähigkeit vorübergeht. Es gilt, alle relevanten Menschen im jeweiligen sozialen System einzubeziehen, auch wenn diese (scheinbar) nur marginal davon betroffen sind.
Besteht der Konflikt, auf den ersten Blick, nur auf der Mitarbeiterebene, zwischen Marion und Herbert, so gehören auch der dritte Kollege und der Vorgesetzte zum Gespräch dazu.
Der Vorgesetzte muss für optimale Bedingungen zur Zusammenarbeit sorgen und ist im Konfliktfall für die Konfliktbearbeitung zuständig. Ein Auftrag an einen Moderator bedeutet, sich einen Lotsen zur (leichteren) Bewältigung der schwierigen Wegstrecke, an Bord zu holen, nicht aber das Kommando ganz abzugeben. Der Leiter des Teams ist also immer mit dabei. Lehnt er dies ab, ist eine Konfliktklärung nicht möglich.
Kann ein Mitglied der betroffenen Gruppe nicht an der geplanten Maßnahme teilnehmen, ist die Veranstaltung ernsthaft in Frage zu stellen. Es ist sehr sorgfältig abzuwägen, ob es Sinn ergibt, dass sich die anderen dennoch zusammensetzen.
Es müssen alle einbezogen werden.
Stellt sich die Situation im Erstgespräch insgesamt so dar, dass man den Eindruck gewinnt, dass ein Konfliktdialog aufrichtig gewünscht wird und die Konstellation eine Konfliktmoderation erfordert, geht es darum einen Kontrakt zur Gestaltung einer Klärungsklausur oder eines Klärungsworkshops zu schließen. Dazu müssen die finanziellen und organisatorischen Details geklärt werden. Und es geht darum, für den Ablauf einer Konfliktmoderation, einige Grundsätze der Konfliktklärung „klarzustellen“:
§ 1 Entscheidungsgewalt
Moderatoren / Konflikt-MediatorInnen haben in der Konfliktklärungshilfe keine Entscheidungsgewalt im Hinblick auf den Streitgegenstand, sie sind weder Schlichter noch Richter, vielmehr geht es darum, unter Anleitung eines allparteilichen Moderators / Mediators zu klären: Was ist? Wie kam es? Und, was soll werden?
§ 2 Vertretung
Für eine wirksame Konfliktklärung bedarf es der Einbeziehung und direkten Kommunikation aller Konfliktparteien; es sind alle anwesend; es gibt keine Vertretung durch Dritte.
§ 2 Anwesenheitspflicht
Die Autonomie der Parteien wird durch arbeitsvertragliche Verpflichtungen beeinflusst,
so kann eine Arbeitssitzung zur Besprechung der Arbeitsprozesse und -beziehungen durch Vorgesetzte einberufen werden.
§ 3 Anfang und Ende
Die Parteien (bzw. der Verantwortliche) bestimmen Anfang und Ende der Konfliktklärung.
§ 4 Informell, nicht-öffentlich, streng vertraulich
Die Arbeit ist eine „informelle“/außergerichtliche Konfliktbearbeitung mit der Möglichkeit zur flexiblen erfahrensgestaltung, sie ist nicht-öffentlich und
streng vertraulich.
§ 5 Offenheit
Offenheit ist eine Bedingung für das Gelingen des Prozesses. Offenheit kann aber weder angeordnet noch erzwungen werden. Allein die Parteien entscheiden, wie offen sie in dem gemeinsamen Arbeitsprozess sein möchten.
§ 5 Rechtsweg
Die Möglichkeit der Parteien, den Rechtsweg zu beschreiten, wird durch die Konfliktmoderation nicht ausgeschlossen.
Konfliktmoderation /
Konfliktklärung...
- ist ein Verfahren zur Mediation im Konflikt, speziell in Arbeits- und Projektteams.
- ist ein moderierter Prozess zur Klärung von Kommunikationsstörungen und Konflikten zwischen Menschen, die miteinander arbeiten sollen, wollen oder müssen.
- wird von einem Businessmoderator geleitet, der keine Entscheidungsgewalt im Hinblick auf die Inhalte hat und weder Schlichter noch Richter ist.
- ist eine teaminterne Konfliktbearbeitung, mit der Möglichkeit zur flexiblen Verfahrensgestaltung, sie ist nicht-öffentlich und vertraulich.
- ist ein Verfahren, bei dem die Beteiligten frei entscheiden, wie offen sie in dem gemeinsamen Arbeitsprozess sein möchten.
- hat zum Inhalt und Ziel, die sachliche und emotionale Seite des Konfliktes zu klären und zu einer tiefen, wirksamen Aufarbeitung beizutragen.
- hat die Bearbeitung auch der emotionalen Seite des Konfliktes zum Ziel, um so echte Lösungen zu ermöglichen.
- fordert und fördert Ehrlichkeit statt Höflichkeit, Klartext statt Sonntagsreden und Kontrakte statt Scheinlösungen.
- fördert Nachhaltigkeit durch Kommunikationslernen und Erweiterung der Konfliktfähigkeit im Team.
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Eine Beschreibung der Arbeitsweise in der Konfliktklärung, sowie die zugrundeliegenden theoretischen Modelle, habe ich in meinem Buch „Moderation & Konfliktklärung“ in knapper Form dargestellt. Es ist ein
Ho-to-do-Buch für Berater, Moderatoren und Führungskräfte:

Josef W. Seifert
Moderation und Konfliktklärung
Leitfaden zur Konfliktmoderation
GABAL Verlag, Offenbach
[zum Buch »]
[Buchbesprechung »]
Konfliktausbildung
Diese Ausbildung ist eine pragmatische 3x3kompakt® How-to-do-Ausbildung, in der in drei dreitägigen Trainings das Handwerkszeug zur Konfliktklärung intensiv eingeübt wird.
Die Eckdaten:
- 3x3 Tage Intensivtraining
- Gesamtdauer ca. 6 Monate.
- Betreuung durch ein Trainerteam.
- Gezielte, ergänzende Literaturempfehlungen.
- Intervision im Rahmen der Ausbildungsmodule.
- Fakultativ Vertiefung des Gelernten in Peergroups.
- Auf Wunsch, begleitend zu den Trainings, Einzelberatung.
- Orientierung am ethischen Selbstverständnis des
Bundesverband Mediation (BM). - Abschluss "MODERATIO KonfliktMediatorIn (MKM)"®.
Die nächste Ausbildungsgruppe startet am 5. Juli 2012.
[Info-Flyer downloaden »] [Zur MODERATIO-Seite wechseln »]
Psychologie der Konfliktlösung
Fachvortrag, Dipl.-Psych. Rolf Berker, Interessengemeinschaft Mediatorenaktiv
Leitfragen:
- Warum eskalieren Konflikte?
- Wie können Konflikte nachhaltig gelöst werden?
Konflikteskalation
Soziale Konflikte tendieren häufig zur Eskalation. Ob Ehestreit, Konflikte am Arbeitsplatz, Diskrepanzen zwischen Eigentümern, Gesellschaftern oder Unternehmen, Tarifstreit, Regierungskrise oder zwischenstaatliche Konflikte - es tauchen immer wieder typische
Wahrnehmungs- und Reaktionsmuster auf, mit denen der Konflikt eine destruktive Eigendynamik entwickelt.
Vielfältige Konzepte und Forschungsergebnisse aus der Psychologie bieten Erklärungsansätze, um die Grundmuster der Eskalation sozialer Konflikte verständlich zu machen. Teilweise werden dabei auch innerseelische Konflikte der Beteiligten als Ursache oder Teil des Wirkungsgefüges gesehen. Beispielhaft sei hier das psychoanalytische Verständnis von Feindbildern, wie es die Psychoanalytikerin Thea Bauriedl in dem Buch „Wege aus der Gewalt“ (Bauriedl, 1992) überzeugend darstellt, kurz zusammengefasst.
Thea Bauriedl bringt auch den Verlust von Gefühlen mit dem Erleben von Verunsicherung, seelischer Destabilisierung und Feindbildern in Zusammenhang:
- „Im Zustand der Verunsicherung suchen wir automatisch nicht nach unseren Gefühlen, sondern nach dem ‚Schuldigen’. So wird versucht, die eigenen Schmerzen und Ängste gegen den ‚Schuldigen’... ‚auszutreiben’ „ (Bauriedl, 1992, Seite 119).
- „Die diffuse Angst nimmt ab, wenn man weiß, wer einen bedroht, wer böse oder minderwertig ist, und dass man selbst ‚gut’ ist.“ (S. 26).
- „In Streitigkeiten zwischen Paaren und zwischen Politikern ... wimmelt es von Begründungen, die die darunter liegenden Gefühle schützen und verbergen sollen“ (S. 150).
Konfliktfähigkeit bezeichnet Bauriedl als „die Fähigkeit, die Vielfalt der Meinungen, Interessen und Gefühle auszuhalten und ohne Abspaltung in das eigene Bild von der Welt zu integrieren“ (Seite 150). Die Eskalation von Konflikten - Bauriedl spricht von der Kettenreaktion der Gewalt - wird verstärkt durch Schuldgefühle und Erfolgsfantasien (S. 121).
Ausführlicher und systematischer analysiert Friedrich Glasl die Eskalationsdynamik (Glasl, 2004), wobei er unter anderem auch auf den Abwehrmechanismus der Projektion und die damit einhergehende Selbstfrustration zurückgreift. Bei Glasl wird die zentrale Bedeutung von erlebter Komplexität und den Versuchen ihrer Bewältigung deutlich: Im Verlauf der Eskalation regredieren die
Konfliktparteien stufenweise zu immer einfacheren, weniger differenzierten Wirklichkeitskonstruktionen und reflexhaften Reaktionsmustern. Gleichzeitig bewirkt das wechselseitige Ringen um Einflussmöglichkeiten und Macht durch die Issue-Lawine und die
soziale Ausweitung des Konflikts eine Zunahme der Konfliktkomplexität.
Die meisten der hier genannten Reaktionsmuster, welche die Konflikteskalation vorantreiben, können auch mit der Angst vor Kontrollverlust erklärt werden. Kontrolle ist hier im allgemeinen Sinne von Handlungsfähigkeit und Vermeidung unerwünschter Konsequenzen und nicht als „Manipulation anderer“ verstanden. Kognitive Rigidität, Emotionen wie Angst, Wut und Hilflosigkeit, Regression und zunehmende Machtorientierung können als Versuche gesehen werden, die Kontrolle wiederherzustellen, welche durch die Unentscheidbarkeit und zunehmende Schwierigkeit und Komplexität des Konfliktes, verstärkt durch verunsichernde Randbedingungen (unklare Ziele, Bewertungen und Konsequenzen, fehlendes Vertrauen, Zeitdruck und vieles mehr), als massiv bedroht erlebt wird. Dieser Stress verringert die Fähigkeit, komplexe Probleme zu bewältigen. Das Denken wird starrer, das Auftreten radikaler und die Forderungen extremer (Glasl, 2004, Seite 216).
Kann die Eskalations-Spirale aus erlebtem Kontrollverlust und Regression, von Angriff und Verteidigung, nicht zum Stoppen gebracht
werden, so landen die Beteiligten schlimmstenfalls bei den primitivsten, entwicklungsgeschichtlich ältesten Reflexen von Wut und Angst, dem Zuschlagen oder Weglaufen.
Konfliktlösungen
Aus der Fülle von Verfahren und Interventionstechniken seien hier nur vier Vorgehensweisen beispielhaft genannt, anhand derer ich einige Grundprinzipien konstruktiver Konfliktbearbeitung darstellen lassen.
In der professionellen Mediation finden sich alle vorgestellten Ansätze der Konfliktlösung wieder. Nur auf der Basis inhaltlicher Abstinenz und einer klaren Rollentrennung zwischen der Prozessverantwortung des Mediators und fachlicher Beratung zur Sache durch
andere Personen, kann der Mediator seine Gestaltungsmacht voll entfalten und so eine konstruktive Arbeitsatmosphäre und die Entwicklung einer einvernehmlichen Lösung wahrscheinlicher machen. Eine konsequent zielorientierte Prozessführung ermöglicht
im Zusammenwirken von „Gefühlsarbeit“ („geschützter Raum“, Beziehungsklärung) und „Sacharbeit‘“ (strukturierte Bearbeitung, Interessenklärung, gemeinsame Lösungssuche) eine deutliche Verringerung des von den Konfliktparteien erlebten Kontrollverlusts und seiner destruktiven Konsequenzen.
Allein schon durch professionelle Visualisierung und zeitliche Strukturierung auf dem Qualitätsniveau professioneller Moderationstechnik kann die erlebte Komplexität deutlich verringert werden. So kann sich die Eigendynamik einer respektvollen, kooperativen Problemlösung, die sich an den Interessen beider Seiten orientiert, entwickeln. Konflikteskalation ebenso wie eine konstruktive Konfliktbearbeitung bilden aufgrund ihrer Eigendynamik zwei mögliche, in sich relativ stabile, strukturelle Muster für den Verlauf eines Konfliktes. Bei geeigneten Interventionen und Rahmenbedingungen wechselt das System vom einen in den anderen Zustand. Dies kann man sich am Beispiel unterschiedlicher Strömungsmuster veranschaulichen, die Flüssigkeiten bei starker Erhitzung
bilden, wobei sie spontan von einer Ordnung zu einer anderen wechseln.
Kommunikation
Unter Zuhilfenahme einiger Grundbegriffe der Theorie sozialer Systeme von Niklas Luhmann soll hier nun versucht werden, die bisher vorgetragenen Aspekte von Konflikteskalation und Konfliktlösung in einen theoretischen Rahmen einzubinden. Die Ausführungen
im ersten Teil des Vortrags führten uns von den innerseelische Strukturen, von den Gedanken und Gefühlen bei den Konfliktbeteiligten (Feindbild, Verletzung von Ich-Grenzen, Abspaltung, erlebte Komplexität, Angst vor Kontrollverlust und vieles mehr) zur Kommunikation zwischen den Beteiligten (Beziehungssystem, Ich-Botschaft, Zwiegespräch, Verhandeln, Vermitteln).
Der Begriff der Kommunikation wird von Luhmann (Luhmann, 1984) als Einheit von Information, Mitteilung und Verstehen definiert (und nicht als Kausalkette von Sender - Information – Empfänger). Damit entfernt er sich sowohl vom Alltagsdenken als auch
von sozialwissenschaftlichen Traditionen. Soziale Systeme wiederum bestehen aus der Abfolge von Kommunikationen - und sonst nichts! Also nicht aus Menschen und deren Interaktionen, wie es das vorherrschende Verständnis war (und vielfach ist). Psyche und Körper (biologische Systeme) des Menschen werden ebenso wie andere, notwendige Rahmenbedingungen von Kommunikation als Umwelt sozialer Systeme betrachtet. Umgekehrt bilden soziale Systeme eine bedeutsame (und unverzichtbare) Umwelt für die menschliche Psyche, die Welt unserer individuellen Gedanken und Gefühle.
Die Umwelt stellt den sozialen Systemen Möglichkeiten zur Verfügung. Welche Möglichkeiten das System nutzt, welche Kommunikation als nächstes folgt und das System erhält (weil es nur besteht, solange Kommunikation stattfindet) wird durch die Struktur des Systems bestimmt. Das bezeichnet Luhmann als strukturdeterminierte Selbstorganisation. Die Psyche und die anderen relevanten Umwelten sozialer Systeme, bestimmen nur, was nicht geht in der Kommunikation, und nicht, was geht. Feindbilder beispielsweise sind eine Möglichkeit zur seelischen Stabilisierung, die auch in der Kommunikation - auch für große Gruppen - übernommen werden kann und dann auch eine stabilisierende Wirkung für das soziale System entfaltet (Beispiel Rassismus). Die individuelle, innerseelisch determinierte Bereitschaft zu Feindbildern determiniert jedoch nicht im strengen kausalen Sinne kollektive Feindbilder. Auf der Basis vorangegangener Kommunikation, aufgrund von Erwartungen, die soziale Strukturen begründen, beispielsweise die von Bauriedl geforderte Erfahrung eines lebendigen Gesprächs, können sich auch andere Wege der Stabilisierung in der Kommunikation entfalten.
Hierin liegt die Chance der Konfliktlösung durch Mediation: der Mediator kommuniziert auch und wird Teil des sozialen Systems „Konflikt“ über die Kommunikationen, bei denen er beteiligt ist. Unter den zuvor genannten Bedingungen nutzt er seine Gestaltungsmacht um einen konstruktiven Dialog wahrscheinlicher zu machen. Mediation zielt nur auf die Veränderung von Kommunikation, nicht auf die Veränderung von Menschen (was als Nebeneffekt gleichwohl gut möglich ist). Der Mediator muss daher zuallererst ein Experte für Kommunikation sein. Durch seine Interventionen (=Kommunikationen) entstehen Chancen für die Lösung des Konfliktes, die den Konfliktbeteiligten alleine nicht zugänglich waren.
Die Konstrukte (Unterscheidungen) der Theorie sozialer Systeme ermöglichen eine klarere und konsistentere Bestimmung der Konzepte, die für die vorgestellten Ansätze konstruktiver Konfliktlösung verwendet werden:
- Die Unterscheidung von innerseelischen Ereignissen und zwischenmenschlichen Ereignissen (= Kommunikation, die soziale Systeme bildet) führt zu einer klaren Unterscheidung von innerseelischem und sozialem Konflikt.
- Ein sozialer Konflikt ist ein soziales System (gewalttätige Beziehungsstruktur bei Bauriedl), eine Kette
von Kommunikationen. Je mehr dieses System seine eigenen Regeln entwickelt („Wie Du mir, so ich
Dir“ beispielsweise), desto mehr grenzt es sich ab von anderen Kommunikationen und entfaltet seine
Eigendynamik, möglicherweise in Richtung Eskalation (Eskalationsprozesse bei Glasl).
- Konflikte löst man, indem man die Kommunikation verändert und nicht die Menschen.
- Die parallel zum Konflikt ablaufenden innerseelischen Vorgänge, das Erleben der beteiligten Menschen,
ist für den Konflikt (als System betrachtet) Umwelt und nicht Teil des Systems. Die Umwelt
bestimmt nur was nicht geht und nicht was geht im System.
- Der Respekt für unterschiedliche Sichtweisen ist aus systemtheoretischer Sicht kein moralisches Gebot
sondern logische Konsequenz der unüberbrückbaren Grenze zwischen den Erlebniswelten verschiedener
Menschen. Du-Botschaften können keine Feststellungen sein, sondern nur Hypothesen:
Wir der andere etwas sieht und fühlt ist mir nie direkt zugänglich, kann nie Teil meiner Erlebniswelt
sein (ist Umwelt für mich im systemtheoretischen Sinne). Ich-Botschaften sind Selbstoffenbarungen,
die keine Rechtfertigung brauchen und zum Dialog, zum friedensstiftenden Gespräch im Sinne Bauriedls
einladen.
Die Schwierigkeiten, Kommunikation als eigenständiges Ereignis und Element sozialer Systeme zu denken, korrespondiert mit den Schwierigkeiten, Mediation und verwandte Verfahren zur Konfliktlösung zu vermitteln: es fehlt die Fantasie und die Erfahrung, dass jemand, der „nur“ Kommunikation gestaltet und verändert, damit die entscheidenden Voraussetzungen zur Lösung massiver Konflikte schafft. Angesichts der Komplexität und Ungewohntheit der systemtheoretischen Sichtweise sei hier auf die hervorragende, kompakte Einführung von Fritz B. Simon verwiesen (Simon, 2006).
Geschichte der Konfliktlösung
Die Interpretation sozialer Konflikte als soziale Systeme führt uns zwangsläufig zu einem historischen Blick auf das Problem der Entstehung und Lösung von Konflikten, auf den historischen Wandel der entsprechenden sozialen Strukturen. Die Analysen zum Prozess der Zivilisation von Norbert Elias nehmen die Sichtweise der Theorie sozialer Systeme meines Erachtens bereits ein gutes
Stück vorweg und bieten wertvolle Anregungen für ein vertieftes Verständnis sozialer Konflikte. In den Zeiten schwacher sozialer Systembildung herrschte der Machtkampf zur Lösung von Konflikten vor. Mit der Ausbildung sozialer Einheiten entstehen neue Konfliktpotenziale durch die Notwendigkeit zu gemeinsamen Entscheidungen. Diese Konflikte werden durch Hierarchien, also durch
Machtunterschiede gelöst, um Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit herzustellen. Unklare Machtpositionen führen zu verlustreichen Machtkämpfen. Stabile Machtmonopole dagegen ermöglichen die beginnende Pazifizierung innerhalb dieser sozialen Einheiten. Mit Hierarchie und sozialer Abhängigkeit entsteht die Notwendigkeit zur Kontrolle von Affekten, wie sie Elias für unterschiedliche Lebensbereiche ausführlich dokumentiert. Ob Lehnsherr oder Hofnarr: Abhängige, „sozial eingebundene“ Menschen müssen lernen, ihre Gefühlsreaktionen zu kontrollieren, um das Überleben in ihrer sozialen Position sicherzustellen. Der Verlust von Gefühlen (Bauriedl) wird möglich und mit fortschreitender Zivilisierung der Menschen wahrscheinlicher. Zunehmende Arbeitsteilung, Vernetzung und soziale Differenzierung bringen zunehmende Abhängigkeit und weitere Widersprüche und Konfliktpotenziale. Die Konfliktlösung durch Machtunterschiede beweist sich immer mehr als zu langsam, verlustreich, für die Beteiligten unakzeptabel, weil ungerecht und vor allem als wenig effektiv, denn Interessenkonflikte werden nicht aufgearbeitet. Neben anderen Teilsysteme der Gesellschaft entsteht ein Rechtssystem, immer auf der Basis des staatlichen Machtmonopols, das eine völlig neue, verbesserte Form der Konfliktbearbeitung einführt: die Entscheidung wird an einen Richter delegiert. Dieser soll unbeeinflusst nach ausformulierten Regeln der Gerechtigkeit im Rahmen festgelegter, formaler Abläufe ein Urteil fällen. Das destruktive Potenzial sozialer Konflikte, die durch
das Aussetzen von Entscheidungen wichtige Abläufe unterbricht, wird gebannt. Langsam sterben archaische Formen der Konfliktbearbeitung, wie Blutrache, Selbstjustiz, Faustrecht, Duell oder Ehrenmord aus.
Komplexe soziale Systeme müssen aus sich selbst heraus beständig Konflikte produzieren, um sich an veränderte Umweltbedingungen anpassen zu können (weil sie operational geschlossene Systeme sind). Die Effektivität der Konfliktbearbeitung entscheidet über Anpassungsfähigkeit und Überleben der Systeme. Der Prozess der Zivilisation als zunehmende Vernetzung, Arbeitsteilung, Abhängigkeit, Beschleunigung von Kommunikationen und Ausdifferenzierung von Teilsystemen und Rollen schreitet immer weiter voran und bringt neue Konfliktpotenziale. Die eingefahrenen Verfahren der Konfliktbearbeitung stehen erneut auf dem Prüfstand:
zu langsam, zu verlustreich auf der Beziehungsebene, zu wenig effektiv in der Lösung der zu Grunde
liegenden Probleme!
Die Entwicklung und Institutionalisierung effektiver interessenorientierter Verfahren zur Lösung sozialer Konflikte - ergänzend zu und aufbauend auf dem Rechtssystem - wird zur Überlebensfrage für eine global vernetzte Gesellschaft, deren Effektivität und Energiebedarf zu Konsequenzen und Herausforderungen führen, die nur in einer krisensicheren, globalen Kooperation zu bewältigen sind. Wer noch im Kampf gegen das „Böse“ verharrt (siehe Projektion bei Bauriedl), wird weder nachhaltige, kooperative Lösungen zur Verteilung und Nutzung von Energie entwickeln können, noch eine internationale Solidarität fördern, die zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels nötig sein wird.
Literatur:
Dörner, D. (1992)
Die Logik des Mißlingens - Strategisches Denken in komplexen Situationen. Hamburg (Rowohlt Taschenbuch). Dörner beschreibt kompakt, spannend und gut verständlich die menschlichen Schwierigkeiten im Umgang mit komplexen Situationen auf der Basis vielfältiger, überzeugender Experimente und Forschungsergebnisse. Viele Beispiele vom bekannten Lohhausen-Experiment bis zu Tschernobyl machen typische Wahrnehmungs- und Entscheidungsmuster verständlich.
Elias, N (2002)
Über den Prozess der Zivilisation. Frankfurt a. M.
Fietkau, H.-J. (2000)
Psychologie der Mediation – Lernchancen, Gruppenprozesse und Überwindung von Denkblockaden in Umweltkonflikten, , Berlin.
Interessante und gut lesbare Darstellung psychologischer Aspekte in der Mediation zu den Stichworten Konflikt, Widerstände, Denkblockaden, Risiko,, Gruppenentscheidungen, Mediationsstrategien und Kommunikation in der Mediation. Mit Forschungsergebnissen aus der wissenschaftlichen Begleitung von Mediationsverfahren im Umweltbereich.
Glasl, F. (2004)
Konfliktmanagement. Handbuch zur Diagnose und Behandlung von Konflikten für Organisationen und ihre Berater. Bern.
Luhmann, N. (1986)
Ökologische Kommunikation – Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen? Opladen.
Luhmann, N. (1984)
Soziale Systeme - Grundzüge einer allgemeinen Theorie, Frankfurt a.M. (Suhrkamp).
Luhmanns Hauptwerk, in dem die Theorie Sozialer Systeme als Ganzes dargestellt wird. Von der gedanklichen Struktur her sehr anspruchsvoll und ungewohnt, aber faszinierend fruchtbar und inspirierend. Für das Verständnis neuerer, systemtheoretisch orientierter Konzepte und Forschungsergebnisse in den Sozialwissenschaften emminent wichtig.
Moeller, M. L. (2005)
Die Wahrheit beginnt zu zweit. Das Paar im Gespräch. Reinbek bei Hamburg.
Seifert, Josef W. (2009)
Moderation & Konfliktklärung - Leitfaden zur Konfliktmoderation, Offenbach. How-to-do-Buch für Moderatoren und Mediatoren, die Konflikte in der Arbeitswelt zu klären haben.
Simon. F.B. et al (2004)
Tödliche Konflikte. Zur Selbstorganisation privater und öffentlicher Konflikte, Heidelberg
Sommer, G., Fuchs, A. (2004)
Krieg und Frieden – Handbuch der Konflikt- und Friedenspsychologie. Weinheim. Simon. F.B. et al (2006) Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus, Heidelberg.
Schulz von Thun, F. (1997)
Miteinander reden 1. Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Reinbek bei Hamburg.
Ury, W.L. et al (1991)
Konfliktmanagement – Wirksame Strategien für den sachgerechten Interessenausgleich, München. Beschreibt überzeugend, kompakt und gut verständlich Grundprinzipien, praktische Ansätze („Systemdesign“) und eindrückliche Praxisbeispiele (Massive Konflikte in Bergbaubetrieben) für ein aktives Konfliktmanagement in Betrieben und Organisationen und die nachhaltige Überwindung verhärteter Konfliktstrukturen. Enthält interessante Konzepte und Ansätze für Mediation und Konfliktmanagement, die
über das Harvard-Modell weit hinausgehen.
Josef W. Seifert
Ich habe die grundlegenden Modelle der Konfliktklärung sowie meine Arbeitsweise nach dem Moderationszyklus in meinem Buch „Moderation & Konfliktklärung“ in knapper Form dargestellt. Es ist ein How-to-do-Buch für Berater, Moderatoren und Führungskräfte.
Erschienen ist es im GABAL Verlag, Offenbach
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Josef W. Seifert
Ich habe mein Berufsleben, als Kind schlesischer Heimatvertriebener, mit 14, als Lehrling in einer Autowerkstatt begonnen. Mit 17 war ich „Mechaniker“ und mit 24 „Mechaniker-Meister“ und „staatlich geprüfter Maschinenbautechniker“. Mein Leben ist seit dieser Zeit durch die Parallelität von Arbeit und Ausbildung geprägt.Nach meiner Ausbildung wechselte ich in den Entwicklungsbereich der BMW AG in München und besuchte neben der Arbeit bei BMW, Abendschulen in München zu Refa, BWL ... Realschulreife, Abitur. Im Beruf wurde ich in dieser Zeit vom Facharbeiter zum Sachberarbeiter und schließlich zur Führungskraft.
Als sich die Chance ergab wechselte ich bei BMW in die Personalentwicklung des Werkes München wo es meine Aufgabe war, das "Führungstraining Werk München" aufzubauen, das ich dann fünf Jahre leitete. Schon zu meiner Zeit bei BMW studierte ich neben dem Beruf Betriebspädagogik (Andragogik, Soziologie, Psychologie) und gründete 1987 die Firma "Seifert & Partner Führungskräfte Training", aus der dann im Zuge der Spezialisierung auf Moderation, MODERATIO® entstand. Neben meiner intensiven Trainings- und Moderationstätigkleit besuchte ich u.a. Ausbildungscurricula zu „Andragogik & Organisations-
entwicklung“ bei Rolf Stiefel, „Unternehmensberatung“ bei Christel Niedereichholz, „Systemische Organisationsberatung“ bei Eckard König, „Konfliktmanagement“ bei Friedrich Glasl, „Coaching und Konfliktklärung“ bei Nossrat Peseschkian und durfte zudem bei Frido Schulz von Thun, Bert Hellinger, Mathias Varga von Kibeth, Marshall Rosenberg, Paul Watzlawick und vielen anderen Kolleginnen und Kollegen weiter dazu lernen...
Die Spezialisierung auf Businessmoderation und hier speziell den Bereich "Moderation und Konfliktklärung"
wurde einerseits durch die Lehrtätigkeit an Hochschulen und andererseits durch Aufsätze, Buchbeiträge,
Bücher und Hörbücher, Podcasts und Interviews begleitet, so sind (auch) Lehren, Coachen
und Schreiben zu meinen Hobbies geworden ... [« zurück]


